Scheffelmühle

In des Mühltals tiefem Grunde
rauscht das Flüßlein klar.
Da wiegt sich der Eschen Runde
und schützt die schweigende Schar

herb-schöner Wesen aus rauem Stein,
verstreut im Sonnengarten.
Erlöst sind sie, die, groß wie klein,
des Meißelprinzen einst harrten.

Er kam mit Knechten aus Stahl
und harten, liebenden Händen
und schlug der Schlummernden Zauberzahl
aus Sandstein und Marmelwänden.

Da steh’n sie nun und träumen
im ungezähmten Gras,
umringt von mächt’gen Bäumen
und Spiegeln aus Wasser und Glas.

Das Flüßlein strudelt eilig,
die Mühle mahlt nicht mehr,
doch kommt, wer einmal hier weilte,
gern immer auf’s neu wieder her.

Hier, wo der Meißelprinz waltet,
prunkt des Lebens pralle Pracht.
Wo der Stein seine Seele entfaltet,
wird’s Menschenherz gesund gemacht.

© Anna Kühne