Ausritt mit dem Gehörnten

Es dämmerte im Walde,
die Sonne neigte sich
dem Abendrot entgegen,
und still verweilte ich
auf einer kleinen Lichtung,
voll Gras und Blümelein,
die warn an meinen Füßen
noch warm vom Sonnenschein.

Der Tag sank hin in Sanftmut,
sinnend sah ich dabei zu,
als in des Waldes Dunkel
ein Rascheln stört’ die Ruh.
Noch eh ich mich gewendet
zu sehn, wer da wohl naht,
spürt ich schon Manneswärme
und, ach, wie wohl sie tat!

Er duftete nach Moosen
und frischem Waldesgrün
und große, kluge Hände,
die machten mich erblühn.
Von Liebesdurst und Wonnegier
entsprang ein Quell im Tal,
und tief in diesen tauchten
wir ein ums andre Mal.

Ich zitterte und bebte
und ritt mit ihm dahin,
die Augen fest geschlossen
und bodenleer mein Sinn.
Er schwieg und schnaufte brünstig,
es hallte wie im Saal.
Er trug mich in des Waldes
geheimstes Freudental.

Du grüner Mann im Walde,
gern komm ich wieder her,
zu holen solcher Gaben
mir noch recht viele mehr.
Gehörnte Kerle sind wohl doch
viel besser als ihr Ruf:
Sie lieben gut – ob mit
oder ohne Pferdehuf!

© Anna Kühne