Die Brautprobe

Es war einmal ein König, der hatte einen Sohn, welcher ihm Sorgen bereitete. Der Prinz war nämlich den Frauen über alle Maßen zugetan, und die Frauen auch ihm, denn er war von angenehmem Äußeren und schöner Gestalt. Auch wußte er sein Worte wohl zu setzen und auf so bestrickende Art zu lächeln, daß kein weibliches Wesen ihm lange widerstehen konnte.

Um seinen Sohn zu ernsthafteren Dingen wie Staatsführung, Familie und Verwaltung zu bewegen, schien es dem König angebracht, ihn zu verheiraten. Nun meinte er, es habe wenig Sinn, dem Prinzen eine Frau zu geben, die ihm ebenso verfallen würde wie alle anderen weiblichen Bewohner des Königreichs. Daher beschloß er, die richtige Braut durch eine Probe zu finden.

Der König sandte Herolde aus in alle vier Windrichtungen und ließ sie verkünden, daß er seinem begehrten Sohne diejenige Jungfrau zur Gemahlin geben würde, der es gelang, eine Nacht im Schlafgemach des Prinzen zu verbringen, ohne ihre Unschuld zu verlieren.

Der Prinz selbst war nicht erfreut über die Pläne seines Vaters, ihn zu verheiraten. Er hatte überhaupt keine Lust auf Familie und Verwaltung, denn dann hätte er ja nicht mehr genug Zeit, sich an all den schönen Frauen dieser Welt zu erfreuen und sie mit seinen sinnlichen Künsten zu beglücken. Er setzte also seinen ganzen Ehrgeiz darein, keine der wagemutigen Blumen in seinem Schlafgemach ungepflückt davon kommen zu lassen.

Am äußersten Rande des Königreiches wohnte ein Holzfäller mit drei wunderschönen Töchtern. Sie hatten den Prinzen noch nie gesehen, da sie selten den Wald verließen, aber sie hatten schon viel von der Unwiderstehlichkeit dieses jungen Mannes gehört.

“Ich bin standhaft genug, mich seinem Werben zu widersetzen”, meinte die älteste der Töchter. Um ganz sicher zu gehen, bewaffnete sie sich mit einem scharfen Dolch und machte sich auf in die Hauptstadt.

Wo der Wald aufhörte, saß eine schrecklich häßliche, fette Kröte mitten auf dem Weg.
“Grüß dich Gott, du Schöne. Wohin gehst du?”

“Das geht dich nichts an, du häßliches Ding!” antwortete die älteste Tochter und trat angewidert mit dem Fuß nach dem ekligen Tier.

“Wirst nicht erringen, wonach du strebst!” prophezeite die Kröte und verschwand.

Das Mädchen ließ sich nicht beirren und wanderte in die Hauptstadt. Einige Tage mußte sie noch warten, bevor sie an der Reihe war, das Schlafgemach des Prinzen für eine Nacht mit ihm zu teilen. Dann war es endlich so weit.

Man führte sie in den Raum, in dem ein so großes, prächtiges Bett stand, wie sie es noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. Zu Hause schlief sie stets auf einer einfachen Heuschütte. Das Bett des Prinzen aber hatte seidene Kissen, weiche, glänzende Felldecken und golddurchwirkte, schwere Vorhänge.

“Willkommen, liebes Kind!” sprach eine freundliche Stimme, deren tiefer, samtener Klang sie sofort erbeben ließ. Sie dachte froh an ihren Dolch, faßte ihn fester und wandte sich um.

Da stand der Prinz, angetan mit einer engen Hose, die seine schlanken, säulengleichen Beine zeigte, und mit einem einfachen Hemd, das seine schönen Schultern halb entblößt ließ, weil er es nur flüchtig übergeworfen und rasch in die Hose gesteckt hatte. Aber all das nahm sie kaum war, denn ihr Blick hing wie gebannt an seinem Antlitz, das im Kerzenlicht weich schimmerte und so berückend schön war, daß sie für einige Augenblicke tatsächlich das Atmen vergaß.

Und wie der Prinz sie anschaute! Als sei sie die eine, auf die er gewartet habe, als hätte er niemals gedacht, irgend eine Jungfrau könne so herrlich sein wie sie.
“Es gibt noch immer Wunder…” Er trat verwirrt auf sie zu, strich unendlich zärtlich über ihr Gesicht, sah ihr voller Liebe in die Augen und küßte sie so sanft, daß sie meinte, eine Daunenfeder habe ihre Lippen berührt.

Da sank sie willenlos in seine Arme, und er trug sie zum Bett. Den Dolch entwand er ihr sacht und mit einem Geschick, das seine Erfahrung in diesen Dingen bewies. Und die Nacht wurde für das Mädchen eine Nacht ungeahnter Erfüllung und der Beginn eines neuen Lebens.

Sie bereute es auch am folgenden Morgen nicht, den Verführungskünsten des Prinzen erlegen zu sein. Sie empfand ein so tiefes Glück, daß sie noch über das ganze Gesicht strahlte, als sie ohne ihre Unschuld wieder zu Hause eintraf.
Der zweiten Schwester gab dies zu denken. Sie beschloß, daß es ihr nicht so ergehen sollte. Wenn ein Dolch nichts genutzt hatte, so war es vielleicht besser, sich mit einem Keuschheitsgürtel zu wappnen und den Schlüssel dafür zu Hause zu lassen. Und sie machte sich auf in die Hauptstadt.

Wo der Wald aufhörte, saß eine schrecklich häßliche, fette Kröte mitten auf dem Weg.

“Grüß dich Gott, du Schöne. Wohin gehst du?”

“Das geht dich nichts an, du häßliches Ding!” antwortete die mittlere Tochter und trat angewidert mit dem Fuß nach dem ekligen Tier.

“Wirst nicht erringen, wonach du strebst!” prophezeite die Kröte und verschwand.

Auch die mittlere Schwester wurde des Abends in das Schlafgemach des Prinzen geführt. Auch sie staunte über das prächtige Bett.

“Willkommen, liebes Kind!” sprach da eine freundliche Stimme, deren tiefer, samtener Klang sie sofort erbeben ließ. Sie dachte froh an ihren Keuschheitsgürtel und wandte sich um.

Da stand der Prinz, angetan mit einer engen Hose, die seine schlanken, säulengleichen Beine zeigte, und mit einem einfachen Hemd, das seine schönen Schultern halb entblößt ließ, weil er es nur flüchtig übergeworfen und rasch in die Hose gesteckt hatte. Aber all das nahm sie kaum war, denn ihr Blick hing wie gebannt an seinem Antlitz, das im Kerzenlicht weich schimmerte und so berückend schön war, daß sie für einige Augenblicke tatsächlich das Atmen vergaß.

Und wie der Prinz sie anschaute! Als sei sie die eine, auf die er gewartet habe, als hätte er niemals gedacht, irgend eine Jungfrau könne so herrlich sein wie sie.
“Es gibt noch immer Wunder…” Er trat verwirrt auf sie zu, strich zärtlich über ihr Gesicht, sah ihr voller Liebe in die Augen und küßte sie so sanft, daß sie meinte, eine Daunenfeder habe ihre Lippen berührt.

Da sank sie willenlos in seine Arme, und er trug sie zum Bett. Den Keuschheitsgürtel öffnete er mit einem kleinen eisernen Haken und einem Geschick, das seine Erfahrung in diesen Dingen bewies. Und die Nacht wurde für das Mädchen eine Nacht ungeahnter Erfüllung und der Beginn eines neuen Lebens.

Als auch die zweite Schwester nach Hause zurückkehrte, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, wurde die letzte Schwester sehr nachdenklich. Aber ihr fiel nichts ein, was ihr bei ihrem Vorhaben helfen konnte, wenn den Schwestern weder ein Dolch noch ein Keuschheitsgürtel etwas genutzt hatte. Also machte sie sich ungerüstet und voller Zweifel auf den Weg.

Wo der Wald aufhörte, saß eine schrecklich häßliche, fette Kröte mitten auf dem Weg.

“Grüß dich Gott, du Schöne. Wohin gehst du?”

“Ich will die Brautprobe bestehen und den Prinzen heiraten.”

“Das wird dir nicht gelingen, wenn ich dir nicht helfe. Aber weil du mir so freundlich geantwortet hast, gebe ich dir diese Salbe. Streich sie dir hinter die Ohrläppchen und zwischen die Beine, bevor du zu dem Prinzen ins Zimmer gehst.”
“Hab vielen Dank, liebe Kröte!” freute sich das Mädchen und eilte in die Hauptstadt.

Sie befolgte den Rat, den die Kröte ihr gegeben hatte, und strich sich etwas von der Salbe hinter die Ohrläppchen und zwischen die Beine, bevor sie das Schlafgemach des Prinzen betrat.

Ungläubig bestaunte sie das prächtige Bett mit den seidenen Kissen, den weichen Felldecken und den golddurchwirkten Vorhängen.

“Willkommen, liebes Kind!” sprach eine freundliche Stimme, deren tiefer, samtener Klang sie sofort erbeben ließ. Sie wandte sich um.

Da stand der Prinz, angetan mit einer engen Hose, die seine schlanken, säulengleichen Beine zeigte, und mit einem einfachen Hemd, das seine schönen Schultern halb entblößt ließ, weil er es nur flüchtig übergeworfen und rasch in die Hose gesteckt hatte. Aber all das nahm sie kaum war, denn ihr Blick hing wie gebannt an seinem Antlitz, das im Kerzenlicht weich schimmerte und so berückend schön war, daß sie für einige Augenblicke tatsächlich das Atmen vergaß.

Und wie der Prinz sie anschaute! Als sei sie die eine, auf die er gewartet habe, als hätte er niemals gedacht, irgend eine Jungfrau könne so herrlich sein wie sie.
“Ein Wunder…” Er trat verwirrt auf sie zu, strich unendlich zärtlich über ihr Gesicht, sah ihr voller Liebe in die Augen und küßte sie so sanft, daß sie meinte, eine Daunenfeder habe ihre Lippen berührt.

Da sank sie willenlos in seine Arme… doch er schob sie von sich, denn es war tatsächlich ein Wunder geschehen! Der köstliche Duft, der von dem Mädchen ausging, hatte bewirkt, daß er sich auf der Stelle in sie verliebte. Sie wollte er jetzt zur Gemahlin, sie und keine andere! Doch dazu mußte sie Jungfrau bleiben bis zum nächsten Morgen.

Sie standen voreinander und betrachteten sich.

“Bitte, nimm mir meine Unschuld”, bat das Mädchen.

“Das kann ich nicht.”

“Gefalle ich dir denn nicht?”

“Du gefällst mir sogar so sehr, daß ich dich nicht will.”

“Das verstehe ich nicht”, antwortete das Mädchen und sah ihn so traurig an, daß er nicht länger an sich halten konnte und sie in seine Arme zog.

Sie küßten sich innig und taumelten zum Bett. Stöhnend vor Verlangen preßte er ihren jungen, schlanken, lieblich duftenden Körper an sich, entkleidete ihn, bedeckte ihn mit unzähligen Küssen und tauchte hinab in das verborgene, verbotene Tal. Sein Schwert aber lag groß und blank zwischen ihnen und verlangte nach der Scheide.

“Komm, steck es an seinen Platz”, bat ihn das Mädchen atemlos.

“Nein, Liebste. Es muß hier bleiben und deine Unschuld bewachen.”
“Kann es das nicht auch, wenn es in seiner Scheide ist? Wenn du es brauchst, kannst du es doch schnell herausziehen.”

Dagegen wußte der Prinz nichts einzuwenden, und schweren Herzens machte er sich daran, das Schwert einzustecken. Doch da tat die Salbe der Kröte ihre zweite, noch wundersamere Wirkung. Plötzlich durchzuckte etwas wie ein Blitz das Schwert und der Prinz stieß einen Schmerzensschrei aus.

“Was ist geschehen, mein lieber Freund?” ängstigte sich das Mädchen.
“Ich kann das Schwert nicht einstecken, meine Schöne! Feurige Blitze durchfuhren mich bis ins Herz, als es eben tun wollte. Wir müssen es hier zwischen uns liegen lassen.”

“Oh, welch ein Unglück!” jammerte die Jungfrau laut, und sie trösteten sich gegenseitig mit Küssen und Umarmungen, während das Schwert groß und blank zwischen ihnen lag und weiter die Unschuld des Mädchens bewachte.
“Oh, welch ein Glück”, murmelte leise der Prinz.

Am nächsten Morgen, als man herausfand, daß das Mädchen die Brautprobe bestanden hatte, war groß Jubeln im Schloß.

Die Hochzeit war noch am selben Tag, und während die Gäste herbeieilten und noch tagelang sangen, tanzten und schlemmten, hatte das Brautpaar nach Sonnenuntergang nichts Eiligeres zu tun, als endlich das Schwert, das zwischen ihnen lag, in die Scheide zu stecken. Das bereitete ihnen solche Genugtuung, daß sie es immer wieder herausholten, um es erneut wegzustecken. Und wenn sie nicht gestorben sind, tun sie das noch heute.

© Anna Kühne