An die Schönen unter den Männern

Ihr Männer, die ihr schöne seid
und die ihr mir mein Aug erfreut,
bis in mein Bett habt ihr’s noch weit!
Glaubt nicht, ich sei bereits bereit.

Denn wo das Auge sich auch weidet,
ist Wollust mir solang verleidet,
bis der geheimen Harfe Lied erklingt
und des Willens Wall ins Wanken bringt.

Manch einer, der euch hässlich dünkt,
macht gleich, dass meine Harfe singt.
Vielleicht sein Blick, vielleicht sein Gang,
vielleicht der Stimme warmer Klang

rühren die magischen Saiten an
und schlagen mich in Liebesbann.
Den lass ich in mein Bett, und dann
gewähr ich ihm, der mich gewann,

den Himmel auf Erden, der euch entgeht,
weil ihr zu rühren mich nicht versteht.
Denn schön, ihr Schönen, ist auch der Tod.
Meine Liebe braucht Güte wie ich das Brot.

© Anna Kühne