Liebeshöhle

Den Himmel auf Erden hab ich uns gebaut
mit Hammer und Bohrer – das war zunächst laut.
Unter eifrigen Händen entstand jener Traum
aus Jungmädchentagen: ein Raum im Raum.

Dunkelblaue Bahnen verdecken die Sicht,
die Matratzen sind weich, unsre Leiber das Licht.
Die scheinen einander bei Tag wie bei Nacht,
schimmernde Nacktheit, zum Leuchten gebracht

von innerer Flamme, von lodernder Lust.
Und selig spür’ ich auf meiner Brust
deine Hand, selbst, wenn du gar nicht daheim.
Das kann, glaub ich, nicht nur Erinnerung sein.

Dies Bett hat schon so viel Lustschweiß getrunken,
in seinen köstlichen Wogen sind so oft wir versunken,
daß es nun selbst Begehren verspürt,
und, stellvertretend, mich manchmal berührt,

wenn einsam ich mich in den Kissen winde
und seufzend keine Ruhe finde.
So harren wir beide, das Bett als auch ich,
deiner Rückkehr nach Hause und lieben dich.

© Anna Kühne