Der Handschuh

So lauscht mir nun, ihr klugen Geister!
Ich ford’re besser nicht euch Meister.
Ihr, die ihr wißt, wie’s richtig,
die ihr erkennt, was nichtig,
die ihr zerlegt in kleinste Teile,
was erst verständlich war und heile – ihr könntet mir ein Leides tun,
denn ich bin keineswegs immun
gegen subversives Wortgefecht,
verstehe mich auch mehr als schlecht
auf eure Art, die Welt zu sehen
und endlos ins Detail zu gehen.
Entzückt vom Schwall der eignen Worte,
beißt ihr wohl dann erst in ‘ne Torte,
wenn deren Chemie ihr habt erkundet…
Kein Wunder, wenn euch oft nicht mundet,
was gründlich seziert dann vor euch liegt,
und ihr das Grausen plötzlich kriegt.
Versteht mich recht – Kritik muß sein.
Was wär’ ich für ein armes Schwein,
wenn euren Spiegel ich nicht hätt’.
Doch bitt’ ich euch, ach, seid so nett
und steckt die Lupe auch mal weg!
Denn stiert wer nur auf einen Fleck,
entgeht das Bild ihm insgesamt.
Er hat sich selber dann verdammt,
nur Fäden zu seh’n, wo was gestickt,
und H2O, wenn über ‘n See er blickt.
Wohl leidet Gesticktes, wenn Chaos die Fäden,
doch ein See ist mehr als nur H2O.
Sind Makel denn immer auch gleich Schäden?
Das Lebens selbst ist da auch nicht so.
Es ist viel einfacher, als ihr es begreift,
die ihr ein Steinchen schleift und schleift,
bis es zu Staub zerfallen ist
und ihr dann – sakra! – noch immer nicht wißt,
was es euch denn eigentlich zu sagen hatte?

Soweit mein Beitrag zur Debatte.

© Anna Kühne