Tanz der Masken

tanz der masken
sie wirbeln im kreis
schrill die musik
heimlich weinen sie leis
schau in den spiegel
was siehst du darin

bist du es – oder nicht
lebst du – oder nicht

taumelnd schleppen sie sich vom heute zum morgen
winselnd krümmen sie sich des nachts im bett
sie würden so gern etwas leben sich borgen
auf daß ihr dasein wahrhaftigkeit hätt

sie haben die sprache ihrer herzen vergessen
die echtheit des fühlens wird in worten gemessen
man beugt sich andren in hilfloser wut
und weiß doch, es ist alles andre als gut

ein stumpfer schmerz, der von innen aushöhlt
frustration, depression – alles worte, gewählt,
zu beschreiben die leere, den nicht-kontakt
zum ich, zur seele, zum inneren takt

tanz der masken
sie wirbeln im kreis
schrill die musik
heimlich weinen sie leis
schau in den spiegel
was siehst du darin

bist du es – oder nicht
lebst du – oder nicht

wahre dein gesicht
trau gefühlen nicht
füg dich
gehorche
so sieh doch ein
stell dich nicht quer
sei lieb
sei mein

sie werden nicht lernen
sie werden nicht finden
sie werden zu staub
in höhnenden winden

verhüllte hohlheit
hohle verhüllung

tod lebenslänglich

© Anna Kühne