Stripper I

Sanfte Kurven wiegen sich
in verheißungsvollen Wellen,
wollen gar begierig dich
entführen zu uralten Quellen.

Des Lebens Quellen in ewigem Spiel
wogen weich vor deinen Augen.
Sträub dich nur, ’s nutzt nicht viel,
du lechzt nach diesen Trauben,

die, ach, so nah und doch so fern
vor deiner Nase prangen.
Ach, dürftest du berühren nur
die köstlich zarten Wangen,

viel lieber noch der prallen Brüste Pracht,
die glatten Schenkel gar – ei, wie die Tänzerin nun lacht,
da dein Verlangen offenbar.

Sie spielt und lockt mir großer Kunst,
entkommen kannst du nicht.
Was gäbst du doch um ihre Gunst,
um dieser Sonne sinnlich Licht!

In ihren Augen blitzt der Schalk,
gleich fällt die letzte Hülle!
Doch nein, dies wahrlich raffinierte Balg
beschließt, ’s ist nicht ihr Wille.

So samtig schimmert ihre Haut,
so rot die Lippen leuchten,
daß in der Tat ein jeder glaubt,
sein Kuß sei, was sie bräuchten.

Da, endlich! Das verborgne Tal
enthüllt sich dem schmachtenden Volke.
Und siehe, der begehrte Gral
...ist eine dunkel gekräuselte Wolke!

© Anna Kühne