Traumes Lied

die nacht mag kalt sein oder heiß
der schläfer zu bett gehn früh oder spät
ganz gleich, ob er viel oder gar nichts weiß
ein traum holt ihn ein, bis die dunkelheit geht
ein traum holt ihn ein, bis die dunkelheit geht

schrei nur, menschlein
es hört niemand zu
du bist ganz allein
und ich geb keine ruh.

denn hier ist alles was du nicht wissen magst
verborgen, verdrängt und vergessen war’s
in schaurigen bildern und grellen farben
zeig ich dir ewig schmerzende narben
offene wunden, ja, schau nur gut hin
du denkst, das ist wahnsinn, doch nein, es macht sinn

du machst nicht ungestraft die tür einfach zu
hinter täglichem trauma und geheuchelter ruh
hinter nein-denken, ja-sagen, nein-sagen, ja-denken
hinter drängenden fragen und feigem einlenken

ich bring sie hervor, die plagegeister
denn wisse, nicht du, sondern sie sind die meister
tags grollen sie tief in unergründlichen gruften
nachts steigen sie auf aus brodelnden schluchten
zu blasen zum sturm auf dich elenden wurm
denn du hast nicht bedacht, wie groß ihre macht
als feind kommt der freund, den du von dir gewiesen
der zwerg kehrt zurück in gestalt eines riesen

ja, schrei nur, menschlein
es hört niemand zu
du bist ganz allein
und ich geb keine ruh.

die nacht mag kalt sein oder heiß
der schläfer zu bett gehn früh oder spät
ganz gleich, ob er viel oder gar nichts weiß
ein traum holt ihn ein, bis die dunkelheit geht
ein traum holt ihn ein, bis die dunkelheit geht

ein traum holt ihn ein

© Anna Kühne