Credo

schwarzgraue mauern
aus angst und aus schmerz
düstere festung
ihr name ist herz
ringsum nur ödnis
schweigend und kalt
der vogel ist stumm
die klage verhallt
die klage der seele
im stockfinstren grab
das lied der verzweiflung…

tief drinnen im kerker
so sicher, so matt
so einsam und furchtsam
so klein und so hart
eine stachlige kugel
wehrhaft und fest
dem tode geweiht
wenn man sie läßt

hinter den stacheln
unter stählerner schal
ein universum aus farben
bereit zum fanal
ein kosmos aus klängen
orchester, vulkan
alle schönheit der welt
liebe wie ein orkan
alle kraft, die es braucht
unmögliches zu tun
den panzer zu sprengen
und nicht eher zu ruhn
bis die mauern sich öffnen
der vogel wieder singt
das gefieder sich putzt
und in die lüfte sich schwingt …

noch liegt die starre
über festung und land
regiern hochmut und argwohn
mit tödlicher hand

tief unten im kerker
quält sich das leben
es gellen die schreie
daß die mauern erbeben
lausche
antworte
jeder ton verheißt licht
die klage erstirbt

die hoffnung nicht

© Anna Kühne